Schule Talitha Kumi in Palästina bei Bethlehem

Unsere Schule

Das renommierte evangelische Schulzentrum Talitha Kumi in Beit Jala bei Bethlehem bietet palästinensischen Mädchen und Jungen in einem konfliktgeladenen Umfeld einen sicheren Ort, an dem sie sich zu selbstbewussten Persönlichkeiten entwickeln können.

Im Schuljahr 2015/16 besuchen etwa 130 Kinder den Kindergarten, 760 Schüler/innen die Grund- und Oberschule und rund 90 Azubis die Hotelfachschule, insgesamt etwa je zur Hälfte Christen und Muslime.

Der Name der Schule Talitha Kumi bedeutet „Mädchen, stehe auf!“. Dieser Appell ist bis heute Name, Programm und Auftrag für die älteste evangelische Schule in Palästina. Das Wort stammt aus dem Markusevangelium, wo es heißt: „Und Jesus ergriff das Kind bei der Hand und sprach: Talitha Kumi – das heißt: Mädchen, ich sage dir, stehe auf!“. 1851 von Kaiserswerther Diakonissen gegründet und heute in Trägerschaft des Berliner Missionswerks, gibt die Schule im heutigen Palästina die Botschaft der Versöhnung und des Friedens im Geiste des Evangeliums weiter.

In der patriarchal geprägten palästinensischen Gesellschaft werden Mädchen oft benachteiligt. Ihnen gleichberechtigtes Lernen zu ermöglichen und ihre Begabungen zu fördern hat in Talitha Kumi eine hohe Priorität. Bereits 1980 führte Talitha Kumi den gemeinsamen Unterricht für Jungen und Mädchen ein und übernahm damit unter den palästinensischen Schulen eine Vorreiterrolle. Das gemeinsame Lernen von Jungen und Mädchen ermöglicht beiden Geschlechtern einen angemessenen Umgang miteinander – eine Handlungskompetenz, die auch im späteren Leben wichtig ist.

Friedenserziehung

Die Schule Talitha Kumi sieht ihre gesamte pädagogische Arbeit als einen Beitrag zur Überwindung von Konflikten und Gewalt und damit zum Frieden. Zu den Zielen des Unterrichts gehört, den Angehörigen verschiedener Konfessionen und Religionen Toleranz und Respekt zu vermitteln.

Es bleibt aber nicht aus, dass die Schüler/innen die Gewalt, die sie täglich im israelisch-palästinensischen Konflikt erfahren, in die Schule mitbringen. Deshalb gehören zum außerschulischen Angebot gemeinsame Andachten, regelmäßige Workshops zur Friedenserziehung und die Ausbildung von Schülerinnen und Schülern zu Streitschlichtern. Diese Mediatoren lernen und üben, auftretende Konflikte friedlich zu lösen. Nach ihrer Ausbildung vermitteln sie bei Konflikten ihrer Mitschüler und tragen ihre Fähigkeiten zur friedlichen Konfliktlösung auch in ihr soziales Umfeld hinein. Talitha Kumi hat bereits über 100 Schülerinnen und Schüler als Streitschlichter ausgebildet, davon sind heute 20 im Einsatz.

In den Bereichen gewaltlose Kommunikation und Persönlichkeitsbildung arbeitet Talitha Kumi mit der bekannten Autorin und Friedenspädagogin Dr. Sumaya Farhat-Naser zusammen. Sie ist eine ehemalige Schülerin Talitha Kumis.

Das großzügige und reichlich bepflanzte Schulgelände bietet einen geschützten Raum, in dem solche Arbeit möglich ist. Talitha Kumi ist auch ein Ort, an dem sich Vertreter beider Seiten des Nahostkonflikts treffen und kennenlernen können.

Video über Mediation in Talitha Kumi (auf YouTube, englischsprachig)
Sumaya Farhat-Naser, Erfolgsgeschichte(n): Friedensarbeit von Sumaya Farhat-Naser, in:
Im Lande der Bibel 1/2015, S. 32-35
Interview mit Sumaya Farhat-Naser, vom 13.01.2015, Bayerischer Rundfunk

492er492er
Deutsches und palästinensisches Abitur

Seit 2008 gehört Talitha Kumi zu den deutschen Auslandsschulen. Die Schule bietet damit auch den international anerkannten Bildungsabschluss „Deutsche Internationale Abiturprüfung“ (DIAP) an. Diese Qualifikation eröffnet palästinensischen Schüler/innen den Zugang zu allen Universitäten der Welt. Daneben ist weiterhin das Ablegen des palästinensischen Abiturs „Tawjihi“ möglich, eine landesweite Zentralprüfung, die vom palästinensischen Erziehungsministerium nach Beendigung der 12-jährigen Schulzeit durchgeführt wird.

Unser Unterricht

Wir möchten unseren Schülern kooperatives und ganzheitliches Lernen ermöglichen. Daher legen wir viel Wert auf Gruppenunterricht und fördern außerunterrichtliches Lernen durch eine Vielzahl an Aktivitäten. Bei den Fremdsprachen erfolgt der Einstieg in die deutsche und die englische Sprache bereits im Kindergarten und wird in der Grund- und Oberschule fortgesetzt. Im naturwissenschaftlichen Unterricht haben unsere Schüler/innen die Möglichkeit, in gut ausgestatteten Laboren zu experimentieren und entdeckend zu lernen. In technischen Arbeitsgemeinschaften wird insbesondere auch den Mädchen ein Zugang zu diesem Bereich verschafft.

Träger und Partner

Seit 1975 ist das Berliner Missionswerk Träger Talitha Kumis und damit – in Abstimmung mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen im Bundesverwaltungsamt – für Personal-, Verwaltungs- und Finanzentscheidungen verantwortlich, vor allem aber für die inhaltliche Ausrichtung. Der Auftrag des Berliner Missionswerks ist die Pflege der Partnerschaften der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und der Evangelischen Landeskirche Anhalts mit Kirchen in der ganzen Welt, so auch im Nahen Osten. Es erhält Zuschüsse seiner Trägerkirchen, ist aber zunehmend auf Spenden angewiesen um den vielfältigen Aufgaben und Erfordernissen in Übersee gerecht werden zu können.

Die pädagogische Verantwortung für Talitha Kumi teilt sich das Berliner Missionswerk mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land (ELCJHL), die auch drei eigene Schulen und ein Umweltzentrum unterhält. Talitha Kumi sowie Gemeinden und Schulen der ELCJHL werden in Deutschland vom Jerusalemsverein im Berliner Missionswerk unterstützt.

Info-Flyer über Talitha Kumi (PDF)
Diesen Flyer können Sie gerne kostenlos zum Verteilen bestellen.