Bund-Länder-Inspektion

Ende November hat eine Inspektion der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen des Bundesverwaltungsamtes und der Kultusministerkonferenz in Talitha Kumi stattgefunden. Die Inspektoren haben Talitha Kumi gute Noten gegeben.

Talitha Kumi unter der Lupe

Das Schulzentrum Talitha Kumi gehört seit langem zu den besten palästinensischen Schulen der Westbank. Mit der Einführung des DIAP-Zweiges im Jahre 2008, der zur Deutschen Internationalen Abitur Prüfung führt, wurde die Schule zu einer der weltweiten 140 deutschen Auslandsschulen. Nachdem das Abitur seit 2013 dreimal erfolgreich abgenommen wurde, kam Ende November 2015 die Bund-Länderinspektion, um den Entwicklungsstand der Schule genau zu untersuchen. Ziel war, die Stärken und Schwächen der Schule nach einheitlichen Qualitätsmerkmalen
zu erfassen und den Entwicklungsbedarf zu benennen, den die Schule in den nächsten Jahren angehen sollte. Dabei wurde die Schule ganzheitlich erfasst, von der Sicherheit und Ausstattung des Gebäudes über die Zusammenarbeit zwischen Schulträger und Schulleitung bis hin zur Unterrichtsqualität, den Leistungen der Schüler und der allgemeinen Zufriedenheit der Schulgemeinschaft.

Zu den Stärken der Schule gehört die Begegnung. Zurzeit besteht die Schülerschaft je zur Hälfte aus Christen und Muslimen, Jungen und Mädchen. Das Zusammenleben von Christen und Muslimen in der Schulgemeinschaft ist vorbildlich. Wenn es zu Konflikten kommt, treten die Mediatoren in Aktion und werden dabei gegebenenfalls von den Religionslehrern beider Konfessionen unterstützt. Darüber hinaus gibt es viele deutsch-palästinensische Teams und Projekte, in denen sich beide Kulturen begegnen. Die koedukative Erziehung von Jungen und Mädchen gehört ebenfalls zu den positiven Errungenschaften der Schule.

Eine weitere große Stärke ist unser Inklusionskonzept. Seit langem nehmen wir alle Christen auf, da wir uns als Schule für die christliche Minderheit und als Begegnungsschule zwischen Christen und Muslimen verstehen. Wir haben beispielsweise blinde Schüler, Rollstuhlfahrer und Schüler mit Lernschwierigkeiten gut integriert, allerdings haben wir noch Schwächen in der Ausstattung. Die Schule ist noch nicht barrierefrei. So geht der Fahrstuhl nicht in den obersten Stock der DIAP-Klassen und auch die Kirche lässt sich nur über Treppen erreichen.

Zu den Schwächen zählt die noch nicht ausreichende Etablierung von kooperativen Lernformen und von schülerzentriertem Arbeiten im Unterricht. Das Kollegium hat diesbezüglich bereits große Lernfortschritte gemacht und auf mehreren pädagogischen Ganztageskonferenzen ein Methodenkonzept erarbeitet, welches im Unterricht eingesetzt wird. Es soll aber dringend verstetigt werden. Auch hier wurde Investitionsbedarf festgestellt. Da es nur wenige Overhead-Projektoren, Laptops und Beamer und noch keine digitalen Tafeln (Smart-Boards) gibt, können immer nur wenige Schüler mit diesen modernen Medien eigenständig arbeiten und ihre Arbeitsergebnisse oder Vorträge angemessen festhalten und präsentieren.

Es hat sich bei der Schulinspektion zwar gezeigt, dass Talitha Kumi für die Verhältnisse in der Westbank nicht schlecht ausgestattet ist und die Freude über das neue, von der westfälischen Landeskirche finanzierte Lehrerzimmer völlig berechtigt ist, dass aber im Vergleich mit Schulen in Deutschland und den anderen deutschen Auslandsschulen die Klassenräume in Talitha Kumi nachgerüstet werden müssen.

Zur Grundausstattung von Klassenräumen gehört heute beispielsweise, dass jeder Schüler ein Ablagefach hat, dass es Raum für Unterrichtsmaterialien und Pinnwände gibt, an denen Unterrichtsergebnisse oder Regeln für längere Zeit aushängen können und dass es einen Computer mit WLAN-Anschluss für Recherchen im Internet gibt. Viele Inlands- und Auslandsschulen beginnen bereits die Ausstattung mit digitalen Tafeln. Unsere Klassenräume hingegen haben betagtes Mobiliar, bestehend aus Tischen und Stühlen für die Schüler, einem Pult für die Lehrer, selten einem Klassenschrank, das den Ansprüchen modernen Unterrichtens nicht mehr entspricht.

Talitha Kumi muss daher in die Ausstattung der Klassenräume und in weitere Laptops und Beamer investieren, um die Voraussetzungen für den modernen Unterricht zu schaffen und um international Anschluss zu halten.

 

Dieser Beitrag wurde auch in der Zeitschrift „Im Lande der Bibel“, Ausgabe 1/2016 (PDF-Datei), veröffentlicht.

 

( 4. Dezember 2015 )